Ein gutes Jahr mehr für Kinder?!

Wie ALLE Kinder gute Chancen für eine gesunde Entwicklung haben

Was brauchen Kinder eigentlich für eine gute und gesunde Entwicklung? Wie geht es den Kindern überhaupt in Deutschland? Haben alle Kinder die gleichen Chancen für gesundes Aufwachsen? Wie sieht die Lebenswirklichkeit von Kindern heute aus? Und was kann an welchen Stellen wie getan werden, um ein gutes Jahr mehr für Kinder zu erreichen? Mit dem Beitrag „ein gutes Jahr mehr für Kinder“ versuchen wir auf alle diese Fragen Antworten zu geben.

Was brauchen Kinder für eine gute und gesunde Entwicklung?

Noch vor hundert Jahren wären die Antworten auf diese Frage wohl solche gewesen wie warme Kleidung und Schuhe zum Schutz vor Lungenentzündungen, sauberes Trinkwasser und Waschgelegenheiten zur Vermeidung von Durchfallerkrankungen sowie ausreichend Nahrung für ein gesundes Wachstum. Heute sind diese Dinge für die (allermeisten) Kinder aufgrund des hohen Lebensstandards in Deutschland eine Selbstverständlichkeit.

Wie geht es den Kindern in Deutschland heute?

Die Studie zur Kinder- und Jugendgesundheit (KiGGS) in Deutschland zeigt, dass es den Kindern hier insgesamt gut geht und sie sich wohl fühlen. Kinder haben in Deutschland also beste Chancen gesund aufzuwachsen. Allerdings zeichnet sich für die gesunde Entwicklung von Kindern ein besorgniserregendes Bild ab, wenn wir diese langfristig betrachten.

Denn Kinder bewegen sich heutzutage deutlich weniger als noch vor 30 Jahren.
Dadurch nehmen auch die motorischen Fähigkeiten von Kindern ab, die Gleichaltrige vor 30 Jahren mühelos konnten, wie beispielsweise das Rückwärtslaufen bei Kindergartenkindern. Kinder bewegen sich heute aber nicht nur weniger, sie nehmen gleichzeitig auch mehr Kalorien, meistens in Form von Zucker zu sich.

Da ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Zahl der (stark) übergewichtigen Kinder sich in den letzten 30 Jahren mehr als verdoppelt hat. So ist heute jedes Sechste Kind übergewichtig oder adipös (stark übergewichtig). Seit 2003 gab es immerhin keinen bedeutenden Anstieg mehr.

Doch haben alle Kinder die gleichen Chancen für ein gesundes Aufwachsen?

Mit Blick auf die Ergebnisse des KiGGS müssen wir diese Frage leider mit nein beantworten. Warum das so ist, wollen wir hier etwas genauer betrachten.
Verhaltensweisen im Kindesalter werden geprägt von den Bezugspersonen der Kinder. Das sind zuallererst die Eltern, im weiteren Sinne aber auch Großeltern, Geschwister, Tanten und Onkel sowie ErzieherInnen und andere Bezugspersonen aus dem Alltag. Die Verhaltensweisen, die Kinder bis ca. zum sechsten Lebensjahr erlernen, manifestieren sich als „Lebensstil“ meist bis ins Erwachsenenalter. Kinder, die sich also von Beginn an viel bewegen und wenig zuckerhaltige Getränke oder Lebensmittel zu sich nehmen, werden entsprechend auch meistens sportlich aktive Erwachsene, die Zucker nicht in großen Mengen konsumieren und keine Probleme mit Übergewicht haben.

Kinder bei einem Freizeit-Sportangebot

Die KiGGS Ergebnisse zeigen nun, dass Kinder aus Elternhäusern mit hohem Sozialstatus  in ihrer Freizeit häufiger an Sportangeboten teilnehmen (ca. 83% im Vgl. zu ca. 58 % der Kinder mit niedrigem sozialen Status), weniger zuckerhaltige Getränke und Lebensmittel zu sich nehmen (ca. 7% im Vgl. zu ca. 30 % der Kinder mit niedrigem sozialen Status) und viel seltener übergewichtig sind (ca. 8 % im Vgl. zu ca. 26% der Kinder mit niedrigem sozialen Status).

Was sagt das nun über die Chancengleichheit für das gesunde Aufwachsen von Kindern aus? 

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass der soziale Status der Eltern entscheidend dafür ist, welche Verhaltensweisen die Kinder zu ihrem Lebensstil machen und ob sie entsprechend gesund aufwachsen. Wir gehen hier davon aus, dass alle Eltern aus Liebe zu ihren Kindern handeln, das Bewusstsein für gesundheitsförderliches Verhalten ist jedoch bei den Eltern unterschiedlich ausgeprägt und letztlich auch aus der eigenen Kindheit übernommen worden.

Was brauchen ALLE Kinder für eine gute Entwicklung und ein gesundes Aufwachsen?

Alle Kinder brauchen ausreichend körperliche Nähe, Geborgenheit, Nahrung, und Schlaf als essentielle Grundbedürfnisse. Wenn diese Grundbedürfnisse von Geburt des Kindes an, wenn es noch nicht für sich selbst sorgen kann, berücksichtigt und befriedigt werden, so entsteht zwischen den Eltern und dem Kind das sogenannte Urvertrauen. Darauf baut die gesamte spätere Entwicklung des Kindes auf.
Ab dem ersten Lebensjahr entwickeln die Kinder durch das Laufenlernen immer mehr Selbständigkeit und wollen die Welt entdecken. Neben die Grundbedürfnisse tritt nun die Entdecker-Freude und treibt die gesamte Entwicklung in der Kindheit an, wenn Kinder ausreichend Raum und Möglichkeiten bekommen sie auszuleben. Dafür brauchen Kinder vor allem Freiräume mit vielseitigen Möglichkeiten, um sich ausgiebig bewegen, selbst organisiert Spielen und elementare Erfahrungen zu machen zu können. Denn Kinder lernen durch Erfahrung und erleben sich darüber als erfolgreich (sie spüren ihre Selbstwirksamkeit). Das bestärkt sie neue Erfahrungen zu machen und immer wieder Neues zu lernen. Hierfür gibt es keine bessere Umgebung als Naturräume, die alle diese Möglichkeiten, ohne Einschränkungen, vereinen

Die Lebenswirklichkeit von Kindern

Betrachtet man die Lebenswirklichkeit von Kindern heute, so macht es den Anschein, als ob Kinder eine Welt, in der sie ihre Entdecker-Freude voll ausleben können heute nur noch aus den Geschichten der Kinder von Bullerbü von Astrid Lindgren kennen. Ihre eigene Kindheit wird von den Erwachsenen durchorganisiert bzw. bestimmt. Gerade in städtischen Gebieten sieht man kaum noch Kinder alleine, ohne Aufsicht spielen. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Zum einen werden Städte nicht nach den Bedürfnissen von Kindern gebaut, wodurch es häufig an freien Flächen und sicheren Wegen bzw. verkehrsberuhigten Zonen für das Spielen draußen fehlt. Aber auch die Sorge der Eltern vor potentiellen (und tatsächlichen) Gefahren „da Draußen“ hält die Kindern davon ab, elementare Fertigkeiten, wie bspw. Klettern zu lernen. Auf der anderen Seite sind Kinder von den neuen Medien häufig so in den Bann gezogen, dass das freie Spielen und Bewegung sowohl drinnen als auch draußen für sie schlicht nicht mehr attraktiv ist.

Was sollte zukünftig getan werden?

Aus Sicht der Gesundheitswissenschaften braucht es für eine gesunde Entwicklung für alle Kinder nicht noch mehr (Früh-) Förderung in strukturierten Lernumgebungen, um sie für ein erfolgreiches Leben als Erwachsene zu wappnen. Vielmehr steht hier die Befriedigung der Grundbedürfnisse im ersten Lebensjahr sowie die Möglichkeiten für elementare Erfahrungen und viel Bewegungsräume sowohl drinnen als auch draußen in späteren Lebensjahren im Vordergrund. Um Kinder und Eltern in der gesunden Entwicklung zu unterstützen sind verschiedene Akteure gefragt.

Die Kommune nimmt hier eine besonders wichtige Stellung ein, da Kinder hier in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld angesprochen werden können und Bedingungen geschaffen werden können, welche ein gesundes Aufwachsen unterstützen.

In ihrem unmittelbaren Wohnumfeld verbringen Kinder ihre meiste Freizeit und haben dort Gelegenheit für freies Spielen. Hier kann die Kommune die Entwicklung der Kinder unterstützen, in dem sie für ausreichend verkehrsberuhigte Straßen einerseits und Zugang zu Frei- und Naturflächen andererseits sorgt. Eine besonders wichtige Bedeutung kommt auch den Bildungsinstitutionen zu, in den Kindern einen großen Teil ihrer Zeit verbringen. Vor dem Hintergrund des großen Bewegungsmangels ist es außerordentlich wichtig, dass die Räumlichkeiten den Bedürfnissen der Kindern angemessen sind. Deshalb sind Außengelände in Kindertageseinrichtungen sowie große Schulhöfe, die bewegungsanregend gestaltet sind, unabdingbar.

 

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