„Wie die Saat, so die Ernte?“

RE-AIM: Maßnahmen kommunaler Gesundheitsförderung am Aufwand und Erfolg messen

Ein Beitrag von Maren Albrecht

Es gibt zahlreiche Projektideen wie sich die Gesundheit in einer Kommune fördern lässt. Wenn dafür öffentliche Gelder aufgewendet werden sollen, dann fragen sich Gemeinderat und Bürgerschaft jedoch schnell, ob das geplante Projekt auch hält was es verspricht. Das aus der Public Health stammende RE-AIM-Modell (Glasgow et al. 1999) zeigt Kriterien auf, die es für eine erfolgreiche Umsetzungsplanung zu beachten gilt. Wir erläutern das „RE-AIM“-Modell am Beispiel der „Walking-Bus“-Initiative.

Eltern sorgen sich um die Sicherheit ihrer Kinder im Straßenverkehr

Mit dem Fahrrad zur Schule? Viele Eltern sind um die Sicherheit ihrer Kinder im Straßenverkehr besorgt

Aus Sorge vor einem unsicheren Schulweg fahren viele Eltern ihre Kinder heutzutage lieber selbst mit dem Auto zur Schule. Anstatt ihren Nachwuchs jedoch vor den Gefahrenquellen im öffentlichen Straßenverkehr zu schützen, erhöhen die besorgten Eltern jedoch paradoxerweise nur das Verkehrsaufkommen vor dem Schulgelände. Der ADAC warnt daher vor dem Phänomen der „Elterntaxis“, da Kinder dadurch das sichere Orientieren im Straßenverkehr nicht erlernen. Nach der Studie des ADAC läuft nur noch jedes vierte Kind selbst zur Schule oder zur nächsten Bushaltestelle. Auch der Sportlehrerin Annika Scheer sind die Elterntaxis, die jeden Morgen den Schuleingang ihrer Grundschule blockieren, ein Dorn im Auge. Als Sportlehrerin kommt ihr die Bewegung im Schulalltag ohnehin schon viel zu kurz: „Mit dem persönlichen Chauffeuredienst bleibt der Generation „Rücksitz“ doch nicht einmal mehr der Schulweg als Bewegungsmöglichkeit übrig.“

Schulbus auf Füßen: Eine Verkehrsinitiative macht Schule

Frustriert über das morgendliche Verkehrschaos an der Schule durchforstet Annika Scheer das Internet nach einer Lösung und stößt dabei auf die „Walking bus“-Initiative aus England.

Kurzerhand beschließt sie bei einer Dienstbesprechung Frau Stadler, die Amtsleiterin für Schule und Betreuung der Stadtverwaltung, auf die Initiative anzusprechen:

„Könnte der „Walking-Bus“ nicht auch etwas für unsere Gemeinde sein, Frau Stadler? Auf Googlemaps habe ich bereits eine mögliche Laufroute markiert und erste Sammelpunkte als Haltestellen festgelegt. Unsere Eltern haben bestimmt Interesse ihre Kinder beim „Walking Bus“ anzumelden. Das lässt sich sicherlich auf die Agenda des nächsten Elternabends setzen.“

„Frau Scheer, ich sehe Sie haben sich umfassend vorbereitet.“, bremst die Amtsleiterin Frau Stadler Annika Scheer in ihrem Eifer.

„Und ich sehe durchaus, wie Ihre Initiative zur Verkehrssicherheit beitragen kann. Aber Sie wissen auch, dass bei uns in nächster Zeit umfassende Straßensanierungsarbeiten anstehen. Das wird teuer für die Stadt. Wenn wir Sie von Seiten der Stadt aus unterstützen sollen, dann müssen wir uns sicher sein, dass sich der Aufwand auch lohnt. Sie kennen ja den Bürgermeister und seinen betriebswirtschaftlichen Hintergrund. Den können Sie nur mit Fakten überzeugen. In meiner Weiterbildung zur kommunalen Gesundheitsmoderatorin habe ich von dem RE-AIM-Modell gehört. Hier, ich zeige Ihnen was es mit RE-AIM auf sich hat.“

RE-AIM holt das Meiste aus gesundheitsförderlichen Initiativen heraus

Wenn Kommunen öffentlichen Haushaltsgelder für Maßnahmen der Gesundheitsförderung aufwenden, dann sollten sie dies in der Gewissheit tun, dass sie im Rahmen dieser Ausgaben den größtmöglichen (Gesundheits-)Nutzen für ihre Einwohnerinnen und Einwohner erzielen. Oftmals verlaufen Gesundheitsprojekte nach anfänglicher Euphorie jedoch wieder im Sande. Sei es, weil die eigentliche Zielgruppe nicht angemessen erreicht wurde oder es keine Strukturen und Ressourcen gibt, das Projekt nachhaltig in der Gemeinde zu verankern.

Durch die gezielten Fragen des RE-AIM-Modells wird bereits schon in der Planungsphase auf den Zahn gefühlt, wie es um die Erfolgsaussichten einer Gesundheitsinitiative bestellt ist. Auch im Falle der „Walking Bus“-Initiative lassen sich zahlreiche Faktoren und Unsicherheiten, die den Erfolg der Initiative mindern könnten, im Vorfeld aus dem Weg räumen.

Dies sind nur einige der exemplarischen Fragen, mit denen sich Frau Stadler und Frau Scheer im Rahmen von RE-AIM auseinandersetzen müssen, wenn sie ihren Bürgermeister von der „Walking Bus“-Initiative überzeugen wollen. Durch die fünf RE-AIM-Dimensionen lassen sich jedoch Aufwand und Erfolg der Initiative miteinander ins Verhältnis setzen und so kommunale Ausgaben sinnvoll zum Allgemeinwohl einsetzen.

Das RE-Modell wurde ursprünglich von Russell Glasgow, Shawn Boles und Tom Vogt entwickelt. Über die Jahre hat RE-AIM mehrere Weiterentwicklungen erfahren. Auch am Mannheimer Institut für Public Health wird RE-AIM im Zuge des kommunalen Gesundheitsprojekts „Ein gutes Jahr mehr“ eingesetzt.
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Die AOK Nordwest unterstützt den "Walking Bus" und stellt u.a. Verkehrssicherheitsberater zur Verfügung. 
"Ene mene fit!", ein Projekt des Mannheimer Instituts für Public Health  hat einen detallierten Leitfaden zur Umsetzung des "Walking Bus" ausgearbeitet.
Auf der Seite http://www.re-aim.org/ finden Sie weitere Informationen zum RE-AIM-Modell.
Verwendetes Bildmaterial © Pixabay
Informationsgraphiken in eigener Gestaltung durch © Piktochart

 

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