Altenwohnbau mit hoher Lebensqualität: Das Quartiershaus

Wie die Wohnform Quartiershaus zu guter Lebensqualität im Alter beiträgt. Das Beispiel des Helmut Dahringer – Hauses in Gaggenau.

Ein Beitrag von Claudia Schlüfter

Die Gesundheitsforschung zeigt, dass Menschen im Alter dann eine hohe Lebensqualität haben, wenn sie sich viel bewegen, am gesellschaftlichen Leben teilhaben können, den sozialen Austausch haben und gleichzeitig einen Ort des Rückzugs und der Privatheit haben. Alle diese Komponenten verspricht die 5. Generation des Altenwohnbaus in Form von Quartiershäusern zu berücksichtigen. Doch was genau ist ein Quartiershaus? Und welche Rolle spielt dabei die Lebensqualität? 

Veränderungen des Alltags im Alter

Seniorin mit Gehhilfe @ Pixabay

Wenn die eigenständige Bewältigung des Alltags im Alter zunehmend schwer fällt, ist es umso wichtiger, dass Dinge des täglichen Bedarfs direkt in der Nachbarschaft (bzw. im Quartier) erreichbar sind. Denn dadurch erhält man, trotz gewisser Einschränkungen, seine Selbst-ständigkeit.
Bei zunehmendem Unterstützungsbedarf und gleichzeitig fehlender Infrastruktur im Wohnumfeld ist für alte Menschen häufig der Umzug in ein Pflegeheim ein unumgänglicher Schritt.

Dieser Schritt  kann mit Verlusten in den Bereichen  Autonomie, Selbständigkeit und gesellschaftlicher Teilhabe einhergehen. Wenn plötzlich das Aufwachen am Morgen durch die Pflegeroutinen bestimmt, das Wäsche zusammenlegen, das Zuhause noch eigenständig erledigt werden konnte, von Groß-Wäschereien erledigt wird und das tägliche Gespräch mit der Verkäuferin beim Bäcker wegfällt, weil man seine Brötchen zum Frühstück jetzt ins Zimmer geliefert bekommt, müssen Betroffenen ihren Alltag komplett verändern und anpassen. Das führt letztlich dazu, dass Alltagskompetenzen  mit dem Umzug ins Pflegeheim zum Teil verloren gehen, da die Bewohner Dinge, die sie zuvor noch eigenständig erledigen konnten, in ihrem Alltag nicht mehr ausüben müssen. Dadurch gehen Kompetenzen verloren, welche Menschen mit Unterstützungsbedarf eigentlich noch eigenständig erledigen konnten. Diese Einschränkungen in der selbstständigen Lebensführung mindern einerseits die Lebensqualität, andererseits geht der Verlust der Eigenständigkeit stark mit dem Abbau der Bewegungskompetenzen und kognitiven Fähigkeiten einher.

Das Wohnkonzept Quartiershaus

Genau hier setzt das Konzept des Quartiershauses an. Denn mit diesem Wohnkonzept liegt der Wohnraum für alte Menschen, dem Quartieransatz entsprechend, zentral eingebunden in einem Wohnquartier mit kurzen Wegen zu Einrichtungen des täglichen Bedarfs und Zugang zu sozialen und kulturellen Einrichtungen. Und das sorgt schließlich für eine hohe Lebensqualität auch und gerade im Alter.

Gemeinschaftsaktivität mit Senioren in Gaggenau @Altenhilfe Gaggenau

„Im Grunde genommen geht es darum, dass die Gesellschaft wieder enger zusammenrückt, füreinander da ist, gemeinschaftlich lebt, ob alt oder jung, arm oder reich, krank, behindert oder gesund. Ein Quartiershaus ist ein Anlaufpunkt im Viertel, ein generationsübergreifender Ankerpunkt, in dem Räume und Angebote für Begegnungen geschaffen werden.“ (Peter Koch, Geschäftsführer der Gaggenauer Altenhilfe. Weitere Infos auch auf der Homepage der Gaggenauer Altenhilfe).

Ziele des Quartiershaus-Konzeptes

Geprägt wurde das Quartiershaus-Konzept vom Kuratorium deutsche Altershilfe, welches  Ziele für eine gute Lebensqualität für das Wohnen im Alter absteckt. Diese beinhalten folgende drei Dimensionen: 1. Leben in Privatheit, 2. Leben in Gemeinschaft und 3. Leben in der Öffentlichkeit.

KDA- Qualitätsmodell (Kuratorium Deutsche Altershilfe)

Diese drei Ziele können mit dem Quartiershaus in idealer Form umgesetzt werden: Durch die unmittelbare Einbindung ins Quartier haben die Bewohner die Möglichkeit zur Teilhabe an einem Leben in der Öffentlichkeit. Den Dimensionen Leben in Privatheit und Leben in Gemeinschaft wird in Quarterishäusern darüber entsprochen, dass diese in Wohngruppen organisiert sind. Das heißt jede Bewohnerin und jeder Bewohner verfügen über ein eigenes Zimmer, so dass es eine Rückzugsmöglichkeit in private Räume gibt. Pro Wohngruppe gibt es aber auch einen großen Gemeinschaftsbereich mit Küche und Esstischen. Hier nehmen die Bewohnerinnen und Bewohner gemeinsam die Mahlzeiten ein und werden bei allen Alltagstätigkeiten miteinbezogen, sofern sie dies möchten und können, z.B. bei der Zubereitung der Mahlzeiten, dem Bügeln und Zusammenlegen von Wäsche und dem Reinigen von Geschirr. Dadurch haben die Bewohnerinnen und Bewohner nicht nur sinnvolle Aufgaben zu tun und fühlen sich wertgeschätzt, sondern können auch ihre Eigenständigkeit länger erhalten.

Die praktische Umsetzung im Helmut-Dahringer Haus

Helmut Dahinter Haus, Gaggenau @Altenhilfe Gaggenau

Das konkrete Beispiel Helmut-Dahringer Haus in Gaggenau hat den großen Vorteil, dass es, ursprünglich 1970 als Pflegeheim errichtet, bereits mitten in ein Quartier eingegliedert ist und in nur fünf Minuten Fußweg die Fußgängerzone des Gaggenauer Stadtkerns zu erreichen ist. Um es als Anlaufpunkt für das Quartier aufzuwerten wurde es zwischen 2015-2017 komplett saniert und es wurden Kooperationen mit Schulen, Kindergärten, Vereinen, Kirchen, Ehrenamtlichen, der Stadt, Mehrgenerationentreff und vieles mehr aufgebaut. Auch eine Schulmensa wurde an das Quartiershaus angegliedert, indem  die Fläche eines alten Schwimmbads umgenutzt wurde. Außerdem wurde im Erdgeschoss des Quartiershauses eine Ladenfläche mit Restaurant, Friseur und Fußpflege zur öffentlichen Nutzung geschaffen, so dass die Bewohner des Quartiers und Bewohner des Helmut-Dahringer Hauses im Alltag immer wieder aufeinander treffen.

Eine weitere Innovation des Helmut-Dahringer Hauses ist die Integration verschiedener Betreuungsformen unter einem Dach. „Das ermöglicht beispielsweise Paaren, unabhängig vom gesundheitlichen Zustand zusammen zu bleiben, Wenn, sagen wir mal, bei einem Paar, das im Betreuten Wohnen lebt, der Mann dement wird, kann er in der Tagespflege in selben Haus versorgt werden. Die Frau hat Entlastung und dennoch können beide noch ihr gemeinsames Leben in ihrer Wohnung teilweise fortführen. Oder wenn sich Pflegebedarf ergibt, dann können die Bewohner in Ihrer Wohnung, in ihrem vertrauten Umfeld bleiben und müssen nicht umziehen und sich umgewöhnen. Was auch schön ist: durch das Betreute Wohnen wird sich ein bunter Altersmix im Haus ergeben, sagen wir mal von 60 bis 110 Jahren. Das macht das Haus lebendiger – und die jüngeren Senioren haben die Gelegenheit, sich vor Ort ehrenamtlich sinnvoll einbringen, wenn sie mögen.“ (Herr Koch, Geschäftsführer der Gaggenauer Altenhilfe)

Zusammenarbeit von Kommune und Altenhilfe

Die Realisierung dieses modernen Quartierhauses in Gaggenau war vor allem deshalb möglich, weil die Stadt, die Gaggenauer Altenhilfe und die Kirche nicht nur eng zusammenarbeiten, sondern auch als Partner. So sind sowohl Vertreter der Kirche in der Vorstandsarbeit involviert, als auch der Oberbürgermeister der Stadt. Zudem verpachtet die Altenhilfe Flächen an die Stadt, die diese wiederum im Zuge des Ausbaus des Ganztagesbereiches an Schulen nutzen kann. Durch diese enge Zusammenarbeit profitieren nicht nur die Altenhilfe und die Stadt, sondern vor allem die Menschen, die im Quartiershaus leben.

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