Nie wieder Schlusslicht in Mathe

Wie der Einsatz von biodynamischen Kunstlicht zu Lernerfolgen in der Schule verhelfen kann

Ein Beitrag von Maren Albrecht

Welche Voraussetzungen ermöglichen ein erfolgreiches Lernen? Mit dieser Frage beschäftigen sich nicht nur zahlreiche wissenschaftliche Disziplinen, sondern seit einiger Zeit auch Lichtdesigner. Wissenschaftliche Studien belegen, dass der gezielte Einsatz von biodynamischen Kunstlicht in Klassenzimmern das Lernverhalten positiv beeinflussen kann. Ein Blick nach oben: an die Zimmerdecken deutscher Schulen.

Schwelgen Sie manchmal noch in Erinnerungen an Ihre alte Schulzeit? Dann werden viele von Ihnen noch an diesen großen, grauen Betonklotz zurückdenken, der einst das Schulgebäude war. Ein Relikt aus den 70er Jahren mit Teppichböden, Sichtbeton und Neonbeleuchtung. In Zeiten des Bildungsnotstandes war dies eine effiziente Bauart, um möglichst schnell und zu günstigen Preisen genügend Platz für die angestiegene Zahl der Schülerinnen und Schüler zu schaffen. Mit Gesundheit und einer optimalen Ausschöpfung der Leistungsfähigkeit hatten die Betonklötze allerdings wenig zu tun.

Unausgewogene Beleuchtung in einem Hörsaal

Noch heute drücken Schülerinnen und Schüler vielerorts die Schulbank in ähnlichen Gebäuden. Um eine geeignet Lernatmosphäre zu schaffen, versucht man die Klassenzimmer mit so viel Tageslicht wie möglich zu beleuchten. Je nach baulicher Lage und insbesondere in den Wintermonaten ist dies jedoch nicht immer möglich und es muss auf zusätzliches Kunstlicht zurückgegriffen werden. An den deutschen Schuldecken hängen jedoch oftmals noch dieselben Leuchtstoffröhren wie in den 70er Jahren. Geht eine Lampe kaputt, tauscht der Hausmeisterdienst die Leuchtmittel aus, die gerade vorrätig sind. Die Klassenzimmer sind dann zwar ausreichend ausgeleuchtet, aber die Kinder lernen unter einer wahllos zusammengesetzten Lichtbedingung, die nicht mehr auf bestimmte Unterrichts- und Lernbedürfnisse abgestimmt ist. Darunter leidet die Lernatmosphäre und somit auch die Konzentration und Leistung der Kinder enorm.

Warmes Kerzenlicht wirkt beruhigend. Aber lernt es sich damit auch gut Französischvokabeln?

Gute Lichtverhältnisse in Klassenzimmern werden oftmals an visuellen Kriterien gemessen, z.B. ob der Tafelanschrieb gut lesbar oder ein Blendschutz an den Fenstern vorhanden ist. Häufig wird jedoch außer Acht gelassen, dass Licht auch biologische Vorgänge im Körper steuert und als Taktgeber unserer inneren Uhr fungiert. Im Verlauf des Tages unterliegt unsere Leistungsfähigkeit periodischen Schwankungen, dem sogenannten Biorhythmus, der von Licht beeinflusst wird. Zu bestimmten Tageszeiten fühlen wir uns motivierter, konzentrierter und leistungsfähiger. Nicht ohne Grund vermeidet man es Klassenarbeiten in den Nachmittagsstunden zu schreiben, da hier das gefürchtete Mittagstief droht.

Mit der notdürftigen Instandhaltung der Klassenzimmerbeleuchtung wird allerdings ein statisches, künstliches Licht erzeugt, das den Biorhythmus und unsere natürliche Leistungskurve aus dem Gleichgewicht bringt. In einer Lernatmosphäre mit Lichtbedingungen, die eher einen Dämmerschlaf erzeugen, lassen sich Französischvokabeln jedoch schlecht pauken. Lichthersteller und wissenschaftliche Forschungsteams beschäftigen sich daher schon länger damit wie künstliches Licht in geschlossenen Räumen Tageslichtkonditionen nachahmen kann und somit zu mehr Leistungsfähigkeit und Gesundheit im Schulalltag betragen kann.

Die REFA-Normkurve beschreibt, wie sich die statistische, durchschnittliche, Leistungsbereitschaft über den Tag verteilt (Eigene Darstellung nach Seiwert, 1984)

In einer Feldstudie stattete der ärztliche Direktor der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, Herr Prof. Schulte-Markwort in Zusammenarbeit mit einem Lampenhersteller die Klassenzimmer verschiedener Hamburger Schulen mit biodynamischen Lichtsteuerungssystemen aus. Die Beleuchtungsinstallation ermöglichte es Helligkeit und Lichtfarbe so zu verändern, dass sich für verschiedene Lernsituationen eine passende Lichtstimmung erzeugen ließ. Per Fernbedienung konnten die Lehrerinnen und Lehrer aus voreingestellten Lichtszenen wählen, die entweder aktivierend oder beruhigend wirkten bzw. ein konzentriertes Arbeiten ermöglichten.

Mit Licht zu mehr Lernerfolg? So einfach die Intervention auch klingen mag, die Ergebnisse des Feldversuchs zeigten erstaunliche Wirkung. Unter der Lichtbedingung „Konzentriertes Arbeiten“, einem kalten Licht mit hohem Blauanteil mit über 5.600 Kelvin, stieg die Lesegeschwindigkeit der Schülerinnen und Schüler um 35 Prozent an, die Fehlerhäufigkeit nahm sogar um 45 Prozent ab. Wenn es nach der großen Pause laut in den Klassenzimmern zuging, wurde beruhigendes Licht mit einem hohen Rotanteil bis zu 3.500 Kelvin eingesetzt. Die motorische Unruhe nahm daraufhin um 76 Prozent ab.

Mittlerweile machen biodynamische Lichtsteuerungskonzepte im wahrsten Sinne des Wortes Schule. Immer mehr Lampenhersteller richten eigene Sparten für Bildungsstätten und Schulen ein und preisen die biodynamische Lichtsteuerung als neues Wundermittel, um die unliebsam schlechte Platzierung in den PISA-Vergleichsstudien überwinden zu können. Das Wirken engagierter Lehrkräfte oder speziell ausgerichtete pädagogische Förderprogramme kann das neue Kunstlicht nicht ersetzen. Aber es kann ein Hilfsmittel sein, um ein Unterrichts- und Lernumfeld zu schaffen, das allen Kindern und Lehrkräften gleichsam zugutekommt.

Bei ohnehin schon sanierungsbedürftigen Schulen lohnt es sich daher einen zweiten Blick auf die Beleuchtung in den Klassenzimmern zu werfen. Mit dem biodynamischen Kunstlicht gehen nicht nur geringere Energie- und Betriebskosten einher. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit verteilt auch im Rahmen ihrer Klimaschutzinitiative hierfür explizit Fördergelder an Kommunen.

Sie möchten mehr über die Lichtstudie in den Hamburger Schule erfahren?

Über den Einfluss von variablen Licht auf Unruhe und Sozialverhalten schreiben Wessolowski, Koening, Schulte-Markwort und Barkmann (2014) im Journal of Environmental Psychology.

Über die Wirksamkeit von dynamischen Licht im Schulunterricht promovierte Wesslowski in seiner Dissertationsarbeit. 

Verwendetes Bildmaterial © Pixabay

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