Woher kommt eigentlich der Name Gaggenau?

Wie man sich in einer unbekannten Stadt als Wissenschaftler „ortskundig“ macht

Ein Beitrag von Claudia Schlüfter

Gaggenau – eine Kleinstadt mit ungefähr 30. 000 Einwohnern, auf der Karte irgendwo zwischen Karlsruhe und Baden-Baden verortet. Das war zunächst die Information, welche die Wissenschaftler aus Mannheim über Gaggenau hatten. Doch es blieben Fragen wie: Was sind diebesonderen Merkmaledieser Stadt?Über welche Infrastruktur verfügt sie? Wie teilt sie sich auf und welche Stadtteile gibt es? Wie leben ihre Bewohner?Wo liegt diese Stadt landschaftlich eingebettet?

Wie Wissenschaftler sich ortskundig machen

Das alles sind Fragen, die für die Wissenschaftler beantwortet werden müssen, um zu wissen, was bei der Entwicklung einer kommunalen Gesundheitsstrategie berücksichtigt werden muss.  So können sich die Wissenschaftler ein komplettes Bild darüber machen, was an Infrastruktur in der Kommune vorhanden ist und auf welche Ressourcen die Bewohner zurückgreifen können.

Leitfaden für die Ortsteilbegehung

Deshalb begab sich das gesamte Team des Mannheimer Instituts für Public Health am Tag des offiziellen Projektstarts von „Ein gutes Jahr mehr“ (Juni 2016) in Kleingruppen auf Erkundungstour durch die Ortsteile von Gaggenau. Anhand eines Leitfadens für Stadtteilbegehungen wurden die wichtigsten Merkmale wie Einkaufsmöglichkeiten, Parkanlagen, Spielplätze, Anbindung zum Zentrum, verkehrsberuhigte Bereiche oder die Lage von Kindergärten und Schulen, festgehalten und zusammengetragen.

Eine Stadtführung mit dem besten Stadtkenner – dem Oberbürgermeister

Doch natürlich kennt niemand seine Stadt besser als der regierende Bürgermeister. Unbefriedigt vom bruchstückhaften Zusammenpuzzeln des Gaggenauer Stadtbildes durch die Wissenschaftler, bot deshalb Herr Florus (OB von Gaggenau) allen interessierten Wissenschaftler eine von ihm geführte Stadtrundfahrt an. An einem sonnigen Augusttag bekamen die Wissenschaftler so die Gelegenheit, die Stadt mit einem echten Gaggenauer kennenzulernen.

So erfuhren wir, dass die Gemeinde Gaggenau in dieser Form seit 1975 besteht. Im Rahmen einer Gemeindereform wurden acht verschiedene Ortsteile zum Stadtkern Gaggenau eingemeindet. Dass die unterschiedlichen Ortsteile alle ihre ganz eigene Geschichte und eigene Identitäten mitbringen, die auch das Leben der Menschen dort prägt, wurde bei der Stadtrundfahrt ganz deutlich.

Von der Kernstadt am Ufer der Murg gelegen, mit der gut ausgebauten Infrastruktur für den täglichen Bedarf und als zentraler Anlaufpunkt für alle Bewohner der gesamten Gemeinde (Rathaus, Ärzte, Einkaufsmöglichkeiten und Sonstiges), ging es los.

Kirche Bad Rotenfels

Von dort kamen wir nach Bad Rotenfels, das, ebenfalls an der Murg liegend, an die Kernstadt anschließt. Mit vielen alten Fachwerkhäusern, einer Therme und einem großen Park versprüht dieser Ortsteil Urlaubsidylle.

 

Michelbach

Fährt man ein paar Kilometer den Berg entlang des Michelbachs hinauf, gelangt man in den gleichnamigen Ortsteil: ein historisches Städtchen in den Hügeln des Schwarzwaldes. Am Ende eines Seitentals vom Murgtal liegt der Ortsteil Sulzbach. Begibt man sich auf eine kleine Landstraße den Berg hinauf Richtung Baden-Baden, kommt man in den Ortsteil Seelbach. Den Ortsteil Ottenau erreicht man, wenn man in das Murgtal weiter hineinfährt. Hier befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Kernstadt der wichtigste Arbeitgeber Daimler. Noch ein Stück weiter hinten im Murgtal liegt Hörden. Fährt man noch weiter die Berge des Nordschwarzwalds hinauf, gelangt man schon in richtig ländliche Gebiete und den Ortsteil Freiolsheim. Zwischen Streuobstwiesen oberhalb der Murg liegt schließlich Oberweier.

 

Skizze von Gaggenau am Institut für Planung von Maßnahmen und Analysen von Informationen

Für die Wissenschaft zeigt sich, dass große Unterschiede zwischen den Ortsteilen von Gaggenau existieren. Auf der einen Seite gibt es die kleinen teilweise sehr ländlich geprägten Ortsteile in den Bergen des Schwarzwaldes mit alten historischen Gebäuden. Auf der anderen Seite liegen entlang des Murgtals Ortsteile, die zum Teil deutlich jünger in der Entstehung und stark industriell geprägt (Daimlerwerk mitten drin) sind.

Aber auch etwas anderes wurde bei der Ortsteilbegehung deutlich: In allen Ortsteilen gibt es viele verkehrsberuhigte Bereiche sowie ein reges Vereinsleben mit Hallen, Kickplätzen oder freiwilligen Feuerwehren.

Ein ortskundiger Wissenschaftler versteht die Kommune besser

Für die Bedarfsanalyse einer Kommune erscheint es ein wichtiger vorausgehender Schritt sich ortskundig zu machen. Bei der Datenauswertung erwies sich die Kenntnis von der geografischen Lage, der Infrastruktur sowie andere wichtige Merkmale der einzelnen Ortsteile als äußerst hilfreich. So können sowohl qualitative als auch quantitative Daten besser verstanden und eingeschätzt werden, um daraus passende Handlungsmöglichkeiten erarbeiten zu können. Denn mit diesen Hintergrundinformationen der Wissenschaftler können die Ergebnisse aus den Interviews mit Vertretern der verschiedenen Lebenswelten zur Bedarfsanalyse besser analysiert und eingeordnet werden.

Und wie kam die Stadt nun zu ihrem Namen? Den verdankt sie den Gänsen, die gerne auf den Murgwiesen (Auen) standen und gag-gag-gag machten.

 

 

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