Wenn es ein ganzes Dorf braucht, um ein Kind gesund großzuziehen…

Ein Blick in die Quartierswerkstatt in Gaggenau, 18.11.2017

Ein Artikel von Maren Albrecht

Das afrikanische Sprichwort „Manchmal braucht es ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen“, haben Sie sicherlich schon einmal gehört. In Anlehnung an diese Lebensweisheit hat das kommunale Gesundheitsprojekt „Ein gutes Jahr mehr“ zur Quartierswerkstatt „Kinder- und Jugendgesundheit in Gaggenau“ eingeladen. Gemeinsam mit den Bürgern aus der Gemeinde diskutieren Experten aus der Wissenschaft, was Kinder und Jugendliche benötigen, um gesund aufwachsen zu können. Da das von Stadtteil zu Stadtteil in Gaggenau unterschiedlich sein kann, führt „Ein gutes Jahr mehr“ gleich mehrere Quartierswerkstätten in den unterschiedlichen Stadtteilen durch. Ein Bericht aus der Quartierswerkstatt aus den Ortsteilen um das Kerngebiet der Stadt.

Die Menschen in Gaggenau sind an Samstagvormittagen schon früh auf den Beinen. Endlich hat man Zeit seine Einkäufe auf dem Wochenmarkt zu erledigen oder das rege Treiben zwischen frischem Obst und regionalem Gemüse auf dem Rathausplatz aus dem gegenüberliegenden Café zu beobachten. Doch dieser Samstagvormittag ist anders. Menschen strömen in das Rathaus, im Bürgersaal werden Stationen mit Stellwänden und Stehtischen aufgebaut und ein Kamerateam testet gerade die Lichteinstellungen. Was geht hier vor sich?

 

Zahlreiche Elternbeiräte, pädagogische Fachkräfte aus Schulen und Kindergärten, aber auch Kommunalpolitiker und Vereinsvorsitzende sind der Einladung des kommunalen Gesundheitsprojekts „Ein gutes Jahr mehr“ ins Rathaus gefolgt. Sie wollen mit Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft diskutieren und lernen, was Kinder und Jugendliche benötigen, um gesund aufzuwachsen.

In der Podiumsdiskussion mit dem Sportwissenschaftler Prof. Klaus Roth von der Universität Heidelberg und der Sportpsychologin Dr. Marie-Christine Ghanbari von der Universität Münster sind sich die Elternbeiratsvorsitzende Jasmin Hansen und der Vorsitzende des Sportausschusses, Frank-Stephan Barth einig: Bewegung ist der Motor für eine gesunde körperliche und psychische Entwicklung. Im Kinder- und Jugendalter ist regelmäßige Bewegung nicht nur für die allgemeine Fitness gut, verknüpft mit Koordinationsübungen verbessert sie auch die kognitive Leistungsfähigkeit. Umso alarmierender sind daher aktuelle Studien, die belegen, dass deutsche Grundschülerinnen und –schüler immer weniger einfache motorische Bewegungsabläufe wie z.B. rückwärts balancieren, beherrschen. Doch wie kann man in Gaggenau diesem Trend entgegenwirken?

Diese und andere Fragen diskutierten die Bürgerinnen und Bürger an Stehtischen: Was wird im hiesigen Stadtteil bereits schon erfolgreich getan, um ein gesundes Aufwachsen zu ermöglichen? In welchen Bereichen gibt es noch Potenzial, das nicht ausgeschöpft ist? Wo brauchen Eltern konkrete Unterstützung? Welche Kooperationen könnte man im Stadtteil schmieden? Die Diskussion ist angeregt und heiter. Ein Summen wie im Bienenstock. Alle 10 Minuten ertönt eine Glocke, dann ziehen die Bürgerinnen und Bürger zum nächsten Thementisch weiter. Am Ende der Veranstaltung ist ein bunter Strauß mit vielen Ideen gewachsen. Doch wie geht es nach Quartierswerkstatt und nach der Begutachtung der vielfältigen Projektideen weiter?

Mit freundlicher Genehmigung von Julia Lust

Mit der Umsetzung erster Projekte müssen die Gaggenauer nicht lange warten. Die Ballschule, ein von Prof. Roth entwickeltes Weiterbildungsangebot für pädagogische Fachkräfte und Vereinsübungsleiter, soll in den Gaggenauer Kindergärten umgesetzt werden. Um das Bewegungsprogramm auch in Schulen anbieten zu können, sagt der Sportausschuss seine tatkräftige Unterstützung bei der Ausbildung weiterer ehrenamtlicher Übungsleiter zu. Für Kinder mit besonderem Förderbedarf ist die Adaption des Sportpatenprojekts von Frau Dr. Ghanbari in Planung. Um das Selbstwertgefühl von Kindern zu fördern, trifft man sich hier in einem Tandem aus Sportpate und Patenkind. Bei den sportlichen Aktivitäten geht es in erster Linie um Spaß, nicht um Leistung.

Damit Projekte nachhaltig in der Gemeinde verankert werden, müssen Partner aus der Gemeinde und der Wissenschaft an einem Strang ziehen. In der Quartierswerkstatt haben wir hierzu die wichtigsten Akteure aus dem Bereich Kinder- und Jugendgesundheit an einem Tisch geholt. Denn wie schon eingangs erwähnt: Manchmal braucht es eben ein ganzes Dorf, um ein Kind gesund großzuziehen.

 

Wir bedanken uns bei Entermedia für die Erstellung des Films zu unserer Quartierswerkstatt und bei Julia Lust für die zur Verfügungstellung Ihrer grafischen Aufbereitung unserer Veranstaltung.

Nähere Informationen siehe unter: http://www.entermedia.de/

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