Lebenswelten als Orte der Gesundheitsförderung

Ein Artikel von Maren Albrecht

„Making the healthy choice the easy choice“- um Menschen für eine gesündere Verhaltensweise zu gewinnen, setzt die klassische Gesundheitsförderung schon lange nicht nur am Verhalten Einzelner an, sondern versucht frei nach dem Ausspruch, das Lebensumfeld von Menschen so zu gestalten, dass es sich gesundheitsförderlich auswirkt. Welche Gestaltungsspielräume Kommunen dazu nutzen können, zeigen wir in „Ein gutes Jahr mehr“ auf.

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Mit Motiven von trauernden Angehörigen und fiktiven Todesanzeigen von Unfallopfern versuchte der Deutsche Verkehrssicherheitsrat vor einigen Jahren für die Risiken überhöhter Geschwindigkeit zu sensibilisieren. Auch in der Prävention und Gesundheitsaufklärung werden Furchtappelle oder Verbote gerne eingesetzt, um Menschen für einen gesünderen Lebensstil zu motivieren. Aufklärungskampagnen mit solch drastischen Darstellungsformen ist die öffentliche Aufmerksamkeit zwar gewiss, jedoch hinterfragen sozialpsychologische Studien, ob sich dadurch tatsächlich die gewünschte Verhaltensveränderung herbeiführen lässt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat daher in ihrer Ottawa-Charta den Lebensweltenansatz zur Kernstrategie in der Gesundheitsförderung erklärt. Der Lebensweltenansatz fokussiert sich auf die Lebenswelten von Menschen und beschreibt Orte, an denen sie sich im Alltag aufhalten, wo sie lernen, leben, arbeiten und spielen. Für Kinder und Jugendliche können das Kindergärten, Schulen und Freizeitvereine, für erwerbstätige Erwachsene zum Großteil der Arbeitsplatz, für ältere Menschen, insofern sie pflegebedürftig sind, das Seniorenwohnheim sein.

Ziel des Lebensweltenansatzes ist es, die Lebensumstände und Verhältnisse an diesen Orten so zu gestalten, dass sie sich gesundheitsförderlich auf den einzelnen Menschen auswirken. Gerade Menschen, die durch soziale Isolation, Armut, Bildungsferne oder eingeschränkte Mobilität als schwer erreichbar für Gesundheitsbotschaften gelten, profitieren von diesem Ansatz am stärksten.

Der Einfluss, den Kommunen auf die gesundheitsförderliche Gestaltung von Lebenswelten ausüben können, geht dabei weit über stadtplanerische Aktivitäten hinaus. Dadurch, dass sich zahlreiche Settings wie Kindergärten oder Seniorenheime in kommunaler Trägerschaften befinden oder Kommunen z.B. auch im Rahmen der lokalen Wirtschaftsförderung koordinierende Funktionen einnehmen, besteht die Möglichkeit Gesundheitsförderung kommunalpolitisch steuern und beeinflussen zu können.

Um die Gesundheit und das Wohlbefinden der Bürgerinnen und Bürger entlang jeder Lebensphase zu fördern, hilft das Projekt „Ein gutes Jahr mehr“ Gemeinden dabei ihre Gestaltungsspielräume in den verschiedenen Lebenswelten wahrzunehmen und selbstbestimmt sinnvolle Handlungsfelder zur Gesundheitsförderung zu definieren.

Auf welche Lebenswelten in der Gemeinde Kommunen Einfluss nehmen können

Hierbei arbeiten wir eng mit verantwortlichen Entscheidungsträgern in den verschiedenen Lebenswelten zusammen. So überlegen wir beispielsweise mit den Kindergarten- und Schulleitungen wie sich Programme zur Bewegungsförderung ohne großen Aufwand in den Kindergarten- und Schullalltag integrieren lassen. Oder mit Personal- und Unternehmensvertretungen wie auch kleine und mittelständische Unternehmen ihren Beschäftigten ein Programm zur betrieblichen Gesundheitsförderung ermöglichen können. Stadtteilspezifische Bedarfe in der Gemeinde finden hierbei ihre Berücksichtigung.

Ein besonderes Augenmerk legen wir dabei auf Ansätze, die sogenannte „positive Spill-over Effekte“ zwischen den Lebenswelten schaffen. Ähnlich wie bei der Verbreitung von Grippeviren, argumentieren wir, dass sich die gesundheitsförderliche Veränderung einer Lebenswelt auch auf andere Lebenswelten auswirken kann. Ein Beispiel: Betriebssportangebote fördern nicht nur die regelmäßige Bewegung während der Arbeitszeit, sondern können auch dazu führen, dass Beschäftigte Spaß am gemeinsamen Sporttreiben entwickeln und sich auch im Privaten weiter sportlich betätigen möchten.

Als zentrale Kernstrategie hilft der Lebensweltenansatz uns im Modellvorhaben „Ein gutes Jahr mehr“ Gesundheit und Wohlbefinden nachhaltig im Alltag der Menschen zu verankern. Wie uns dies in den unterschiedlichen Lebenswelten der Stadt Gaggenau gelingt und welche Ansätze auch in Ihren Gemeinden funktionieren, stellen wir Ihnen hier auf unserem Blog vor.

verwendetes Bildmaterial von ©Pixabay und ©Joachim Fischer

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